Artikel-Schlagworte: „gesetzliche Versicherung Finnland“
Skandinavien als Vorbild
Das deutsche Gesundheitssystem steht finanziell vor der Pleite und eine Gesundheitsreform jagt die nächste. Reform im Sinne der deutschen gesetzlichen Krankenversicherung heisst im Prinzip immer: Leistungskürzung und Beitragsanhebung.
Schon heute steht den gesetzlichen Krankenkassen pro versichertem Mitglied nur ein Beitrag von etwa 5 Euro im Jahr zur Verfügung, um Gesundheitsvorsorge zu betreiben. Krankenkassen in Deutschland haben insbesondere nach Einführung des Gesundheitsfonds noch weniger Interesse überhaupt aktive und finanzielle aufwändige Vorsorge zu betreiben, denn Krankenkassen erhalte für kranke Personen wesentlich mehr Geld aus dem finanziellen “Topf” als sie für gesunde Personen erhalten. Weitere Ausgaben für die Gesundheit würden im Umkehrschluss aus Sicht einer einzelnen Krankenkasse dazu führen, dass die zugewiesenen Beiträge weiter sinken würde. Wie absurd.
Das finnische System stand ähnlich vor dem finanziellen Kollaps wie das deutsche, doch dort wurde radikal gehandelt. Das Schlüsselwort heisst “Priorisierung” und hat nun, 3 Jahre nach der Einführung zu einer enormen finanziellen Verbesserung und Kostensenkung geführt. Einhergehend mit einer sogar gesünderen Bevölkerung.
Das Problem am deutschen gesetzlichen Gesundheitssystem ist das, dass ein Großteil des zur Verfügung stehenden Geldes für Personalkosten verwendet werden muss. Das teuerste Personal sind nunmal Ärzte. Insbesondere das Hausarztprinzip der gesetzlichen Krankenkassen verschlimmert diese Problem noch, statt dass es die Kosten senkt.
Da Ärzte von der gesetzlichen Krankenkassen stets eine feste Kopfpauschale erhalten, egal wie oft ein Patient vorstellig wird, ist es nur logisch, dass ein Hausarzt einen Patienten nur all zu gern an einen Facharzt “abschiebt” der ebenfalls seine Pauschale dafür erhält. Normalerweise soll der Haussarzt dies nur in absoluten Notfällen tun, um die höheren Kosten des Facharztes zu sparen, in der Praxis funktioniert dies aber nicht.
In Finnland hingegen ist so etwas gar nicht möglich, denn dort wird die Ressource “Arzt” sehr sparsam eingesetzt. Die Vorarbeit erlediegn Krankenschwestern, die nach einer Checkliste die Prioritäten bei der Vergabe der Arzttermine ermitteln. Was sich auf den ersten Blick für uns Deutsche sehr eigenartig und wenig human anhört, hat auf der anderen Seite für alle Personen Vorteile.
Denn kleine “Erkrankungen”, für die nicht unbedingt eine teure Behandlung beim Arzt notwendig ist, können ebenfalls von fachlundigem Personal , wie einer Krankenschwester betreut werden. Zudem steht wirklich kranken und bedürftigen Personen wesentlich eher ärztliche Hilfe zur Verfügung, da diese nicht von Personen ausgenutzt wird, bei der die ärztliche Behandlung weniger wichtig gewesen wäre.
Die Ersparnisse durch diese “Priorisierung” der Patienten ist enorm. Das eingesparte Geld wiederum steht der Prophylaxe zur Verfügung. Zudem sparen Vorsorgeuntersuchungen weiteres Geld, da Krankheiten erkannt werden, bevor eine wesentlich teurere Behandlung überhaupt notwendig wird.
Schwächen hat das skandinavische System sicher auch, nur ist es wesentlich transparenter als das deutsche Gesundheitssystem. Zudem bekommen wirklich Kranke und Bedürftige Personen aufgrund der freien Ressourcen schneller eine Behandlung, auch wenn weniger Kranke nun vielleicht länger warten müssen.
Es ist ja nicht so, dass Personen, die krank sind keine Hilfe erhalten, ihnen steht es ja frei, eine Behandlung selbst zu bezahlen. Dadurch, dass in diesem System Geld gespart wird, sinken des weiteren auch die BEiträge zur Krankenversicherung. Mit dem gesparten Geld kann ein jeder privat vorsorgen und sich z.B. über den Abschluss einer Zahnversicherung oder einer Krankenhauszusatzversicherung den zusätzlichen Schutz holen, den er möchte. Wichtig ist, dass die wirklichen Bedürftigen und Kranken besser versorgt sind. Für gesunde Menschen heisst es eben “Selbstinitiative” und Vorsorge. Was beispielsweise bedeutet, frühzeitig einen passenden zusätzlichen Versicherungsschutz zu beantragen.
Das finnische System ist sicherlich besser als das deutsche Gesundheitssystem, denn dieses ist langfristig in keinster Weise finanzierbar. Innerhalb der nächsten 20 Jahre müssten sich bei der derzeitigen demographischen Entwicklung die Beiträge verdoppeln oder eben die Leistungen halbieren, wenn man in seiner jetzigen Form an dem System festhalten wollte. Keine guten Aussichten.
